Der typische Bierbauch beim Mann begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Foto: pa/Creasource

Gesund: Ist bei Männern mit Bierbauch Diabetes programmiert?
Wenisch: Das eingelagerte Fett begünstigt jedenfalls durch die Ausschüttung von Botenstoffen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Bauchfettzellen fangen viel Insulin ab. Das ist gefährlich, weil die Bauchspeicheldrüse ihre Insulinproduktion nicht unbegrenzt steigern kann. Verbraucht der Körper zu viel Insulin, steigt durch Insulinmangel der Blutzucker mit möglicherweise lebensbedrohlichen Folgeerkrankungen.

Bauchchirurg Prof. Hubertus Wenisch und der plastische Chirurg Dr. Mojtaba Ghods vom Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann über den Risikofaktor Bauchfett.

Zwei Spezialisten erzählen, warum gerade Bauchfett so gefährlich ist, warum gerade Männer besonders häufig betroffen sind und wieso Bauchfett nicht abgesaugt werden kann.

Gesund: Abzunehmen durch Diät und Sport fällt vielen Menschen schwer. Mit welchen operativen Methoden kann man stark Übergewichtigen helfen?
Wenisch: Die heute meist angewandte Methode besteht darin, die Resorptionsfläche des Dünndarms zu verkleinern. Dazu wird ein Teil des Dünndarms stillgelegt, manchmal in Kombination mit der Entfernung eines Teils des Magens. Wenn die Menschen bereits dreieinhalb Zentner wiegen und an Folgeerkrankungen wie Diabetes und Herzerkrankungen leiden, ist so eine OP nicht ungefährlich. Durch die minimal-invasive Operationstechnik wird das Risiko jedoch vertretbar. Auch die gesetzlichen Krankenkassen fordern strenge Voraussetzungen, bevor die Kosten übernommen werden.

Gesund: Wie kann man feststellen, ob man gefährdet ist?
Dr. Mojtaba Ghods: Ich empfehle immer, die Taille zu messen. Je größer der Bauchumfang, desto größer die Gefährdung! Auch Menschen, die nicht übergewichtig sind, also einen mittleren Body-Mass-Index (BMI, siehe rechts) haben, können betroffen sein, denn über den Anteil an Muskeln und Fett im Körper sagt der Wert nichts aus. Bei Männern mit einem Taillenumfang von mehr als 120 Zentimetern ist das Risiko, frühzeitig zu sterben, nahezu doppelt so hoch. Bei Frauen liegt dieser kritische Wert bei 100 Zentimetern.

Gesund: Ist es nicht einfacher und risikoärmer, wenn man sich das Bauchfett absaugen lässt?
Ghods: Dieses Fett kann man nicht absaugen, es bleibt da, wo es ist, zwischen den Organen, den Gedärmen, der Leber und der Milz. Es ist fest mit dem Gewebe verbunden, der Darm liegt da drin. Das ist vergleichbar mit Seilen in einer festen Masse. Beim Absaugen würde man die Organe treffen und beschädigen.

Gesund: Wie gefährlich sind die Pfunde in der Körpermitte?
Prof. Hubertus Wenisch: Mehr Bauchfett bedeutet mehr Fett an den inneren Organen und das ist gefährlicher als oberflächliches Fett. Das Blut strömt vom Fettgewebe sofort in die Leber. Inneres Bauchfett wirkt sich ungünstig auf die biochemischen und hormonellen Abläufe im Körper aus, die mit dem Fettstoffwechsel zu tun haben. Fettgewebe produziert Entzündungszellen, die die Innenschicht der Gefäße verändern. Es drohen Gefäßverkalkungen, die Arteriosklerose. Auch jüngere Männer können an den Folgeerkrankungen sterben.

Von Dieter Weirauch (4. September 2009)